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Das in Lucq-de-Béarn im westlichen Teil der Appellation Jurançon ansässige Domaine Lajibe zählt heute zu den Geheimtipps und begehrtesten Adressen der Weinregion Südwestfrankreich. Auf nur 8 Hektar Rebfläche, die biodynamisch nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftet wird, erzeugt dieses kleine Weingut Weißweine von großer aromatischer Reinheit, geprägt von Spannung und Mineralität, wie sie nur die besten Terroirs des Béarn bieten.
Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.
Die Geschichte von Domaine Lajibe beginnt weit entfernt von den Rebzeilen: in den Fechtsälen von Paris. Jean-Baptiste Semmartin, gebürtig aus der Bigorre, vertrat Frankreich lange Zeit auf den Florettbahnen und erreichte das Niveau der Nationalmannschaft. Doch hinter dem Spitzensportler steckte ein Mann aus dem Südwesten, der seinen Wurzeln und der Natur tief verbunden war. Während seiner Zeit in den Pariser Sporthallen wurde ihm bewusst, dass seine Berufung anderswo lag: in den Weinbergen, an der frischen Luft, unter dem Himmel der Pyrenäen.
Sein Wechsel in den Weinbau ist methodisch und gewissenhaft – ganz wie der Fechter, der er einst war. Zunächst bildet er sich in Bordeaux bei Domaine Grand-Puy-Lacoste weiter, bevor er andere Terroirs erkundet: erst Collioure, dann die Bourgogne, wo er längere Zeit bei Emmanuel Giboulot verbringt, einem angesehenen biodynamisch arbeitenden Winzer. Dieser Aufenthalt in der Bourgogne ist entscheidend: Dort schärft er sein Gespür für Böden, natürliche Zyklen und eine Weinbereitung mit möglichst wenigen Eingriffen. Er sammelt auch Erfahrungen bei Domaine Cauhapé, einem bedeutenden Namen der Appellation Jurançon.
Mit wertvoller Unterstützung der Familie Estoueigt, der Domaine Larroudé in Lucq-de-Béarn gehört, lässt sich Jean-Baptiste Semmartin endgültig im Béarn nieder. Er pachtet auf dem Familienbesitz 2,5 Hektar Rebfläche und erzeugt 2017 seinen ersten Jahrgang – ein Debüt, das für seine Energie und kristallklare Reinheit sofort Anerkennung findet. Domaine Lajibe war geboren. Seitdem ist das Weingut nach und nach auf 8 Hektar gewachsen, darunter der kürzlich erworbene Clos Benguères auf den Anhöhen von Jurançon. Heute arbeitet Jean-Baptiste mit seiner Partnerin Juliana zusammen. Gemeinsam schaffen sie dichte, intensive Weißweine, deren Spannung und Energie dem Weingut inzwischen internationales Renommee eingebracht haben.
Im Jahr 2021 gründet Jean-Baptiste, bestärkt durch den Erfolg des Weinguts, zudem ein Weinhandelsunternehmen namens Mansengs et Compagnie. Damit kann er die Vielfalt der Manseng-Rebsorten auf anderen Terroirs der Region erkunden, insbesondere im Gers und rund um Monein – stets nach denselben strengen Vorgaben für den biologischen Anbau wie auf dem Weingut.
Die Weinberge von Domaine Lajibe liegen überwiegend in der Gemeinde Lucq-de-Béarn, am westlichen Rand der Appellation Jurançon, unweit von Pau. Diese geografische Lage verleiht ihnen innerhalb der Appellation einen einzigartigen Charakter: Der Boden besteht hier aus einem Konglomerat klastischer Gesteine, wie es für das Vorland der Pyrenäen typisch ist. Diese geologischen Formationen bieten den Reben eine außergewöhnliche mineralische Grundlage.
Das Klima in diesem Gebiet ist stark vom Atlantik und von den Pyrenäen geprägt. Regen fällt häufig, weshalb die Sonnenstunden umso wertvoller sind. Glücklicherweise sind alle Parzellen des Weinguts nach Süden ausgerichtet und vor den vorherrschenden Winden geschützt. Das ermöglicht eine langsame, allmähliche Reifung, die die Aromen konzentriert und zugleich die natürliche Säure bewahrt – das eigentliche Rückgrat der Weine von Lajibe. Auch der Föhn, ein warmer Wind aus dem Mittelmeerraum, der über das Hinterland der Pyrenäen streicht, spielt beim Eintrocknen der Trauben für die Spätlese eine wichtige Rolle.
Drei große Parzellen bilden das Herzstück der Weinberge und geben jeweils einer Cuvée des Weinguts ihren Namen: Haure, Carmeret und Serres-Seques.
Die gesamten Weinberge werden seit 2019 nach Demeter-Richtlinien zertifiziert biodynamisch bewirtschaftet. Biodynamie ist hier nicht bloß ein Marketinglabel, sondern die natürliche Fortsetzung einer Philosophie, die darauf beruht, die Rhythmen der Natur zu beobachten, zu respektieren und zu begleiten. Die Behandlung mit biodynamischen Präparaten, das zweimalige Ausbrechen überschüssiger Triebe im Frühjahr zur Begrenzung der Erträge und die Bodenbearbeitung mit Zugtieren auf einigen Parzellen: All das trägt dazu bei, vollkommen gesunde Trauben mit optimaler phenolischer und aromatischer Reife hervorzubringen.
Im Keller arbeitet Jean-Baptiste Semmartin ebenso gewissenhaft wie im Weinberg: keine Zusatzstoffe, kein Zusatz von Sulfiten, keine Filtration. Die Gärung setzt dank der natürlich auf den Trauben vorhandenen Hefen spontan ein. Diese Vorgehensweise verlangt höchste technische Kompetenz, gewährleistet aber, dass sich das Terroir im Glas so unverfälscht und authentisch wie möglich ausdrückt.
Die Weine von Domaine Lajibe werden lange und mit Bedacht ausgebaut. Jean-Baptiste nutzt die im Gros Manseng natürlich vorkommenden Polyphenole für einen kontrolliert oxidativen Ausbau, der den Weinen eine bemerkenswerte Stabilität verleiht, ohne dass Schwefel zugesetzt werden muss. Diese von den großen oxidativ ausgebauten Weinen des Jura inspirierte Technik bringt Weine hervor, die sich bei der Verkostung offen und ausdrucksstark zeigen und zugleich ihre Frische und Energie bewahren. Ein geöffneter Wein von Domaine Lajibe bleibt so problemlos zwei bis drei Tage lang in einwandfreiem Zustand.
Die Weine werden je nach Cuvée in neutralen Eichenfässern oder Tanks ausgebaut. Dabei geht es nie darum, dem Wein eine Holznote zu verleihen, sondern das jeweilige Gefäß als Mittel zur Verfeinerung und natürlichen Stabilisierung zu nutzen. Die Abfüllung erfolgt ohne Schönung oder Filtration, sodass die gesamte Substanz und Komplexität der Weine erhalten bleibt. Dieser parzellenspezifische Ansatz, verbunden mit Erträgen von unter 10 hl/ha – mit den niedrigsten in der gesamten Appellation Jurançon –, sorgt für eine Konzentration und aromatische Intensität, die das unverwechselbare Markenzeichen des Weinguts sind.
Der Stil von Lajibe ist sofort zu erkennen: geradlinige, präzise Weine, die Lust auf den nächsten Schluck machen und zugleich dicht und bekömmlich sind. Weit entfernt von den Klischees über mitunter schwere oder überreife Weißweine aus Südwestfrankreich glänzen die Cuvées von Lajibe durch Spannung, Ausgewogenheit und Lagerfähigkeit. Sie lassen sich hervorragend schon jetzt trinken, haben aber auch beachtliches Reifepotenzial: Die besten Cuvées können sich 10 bis 15 Jahre lang weiterentwickeln.
Haure: Die Cuvée stammt aus einer etwa einen Hektar großen Parzelle mit hundertjährigen Reben. Nach béarnischer Tradition stehen dort Petit Manseng, Gros Manseng, Petit Courbu und die seltene Claverie als Mischsatz. Diese fast verschwundene Rebsorte aus dem Béarn möchte Jean-Baptiste bewahren. Die Vielfalt der Rebsorten verleiht der Cuvée eine außergewöhnliche aromatische Komplexität.
Carmeret: Carmeret ist die charaktervolle Cuvée des Weinguts. Sie verkörpert wie keine andere die Kraft und Präzision des trocken vinifizierten Petit Manseng vom Terroir in Lucq-de-Béarn. Dieser trockene Weißwein aus Jurançon stammt aus der gleichnamigen Parzelle und besticht auf Anhieb mit der Intensität seiner strahlenden, kristallklaren goldgelben Farbe.
Serres-Seques: Dieser trockene Jurançon stammt aus der gleichnamigen Parzelle auf dem "trockenen Höhenrücken" und ist ein faszinierendes Paradox: Petit Manseng, eine Rebsorte, die von Natur aus für große edelsüße Weine prädestiniert ist, wird hier mit erstaunlichem Können und bemerkenswerter Präzision trocken vinifiziert. Auf dieser sehr steilen Parzelle lässt Jean-Baptiste die Trauben weit reifen. Das zeigt sich im außergewöhnlich reichen Aromenspektrum des Weins, während die kargen Böden und der Ausbau ihm eine bemerkenswerte Spannung und Salzigkeit verleihen.
Serres-Seques Vendanges Tardives: Der einzige Süßwein von Domaine Lajibe ist ein Meisterstück der Weinbereitung. Er wird aus Petit Manseng erzeugt, dessen Trauben am Rebstock eintrocknen: Sie bleiben lange nach der ersten Lese an den Reben und konzentrieren dank des Föhns ihren Zucker und ihre Aromen. Dieser Jurançon Vendanges Tardives ist ein außergewöhnlicher edelsüßer Wein, weit entfernt von herkömmlichen Süßweinen.
Marcel: Die Cuvée Marcel erkundet Terroirs in den höheren Hanglagen der Gemeinde Monein, deren Untergrund aus Konglomeratgestein und Kalkstein besteht. Sie verkörpert die geografische Erweiterung des Weinguts, ohne dessen Identität je zu verleugnen. Jean-Baptiste lässt die Trauben hier weit reifen. So entsteht ein reiches, kontrastreiches Aromenspektrum mit süßen Äpfeln, kandierten Zitrusfrüchten und Zitronatzitrone, begleitet von der für die Terroirs von Monein typischen kalkigen Mineralität.
Campsou Benguères: Die Cuvée Campsou Benguères ist die jüngste Schöpfung des Weinguts. Sie stammt aus dem kürzlich von Jean-Baptiste erworbenen Clos Benguères an den Hängen von Jurançon. Sie zeugt vom Wachstum des Weinguts und vom Wunsch seines Gründers, die Vielfalt der Terroirs der Appellation zu erkunden. Diese neuen Parzellen ergänzen das Sortiment um einen trockenen Weißwein, der die für Manseng-Rebsorten typische aromatische Komplexität mit der mineralischen Frische der Böden dieses Gebiets verbindet.
Mansengs et Compagnie (Weinhandel)
Neben dem Weingut gründete Jean-Baptiste 2021 das Weinhandelsunternehmen Mansengs et Compagnie. Dessen Ziel ist es, die Vielfalt der Manseng-Rebsorten auf Terroirs außerhalb von Lucq-de-Béarn zu erkunden, insbesondere im Gers und auf den kühlen Böden von Monein. Die Trauben werden ausschließlich von Partnerwinzern bezogen, die biologischen Weinbau betreiben. Die Weinbereitung übernimmt Jean-Baptiste selbst auf dem Weingut, nach denselben strengen Vorgaben: natürliche Hefen, keine Zusatzstoffe, nicht einmal Schwefel. Diese Cuvées sind inzwischen größtenteils in die Produktion des Weinguts integriert. Die Weine von Mansengs et Compagnie, für die auf kühlen Terroirs in der Regel ein Drittel Petit Manseng und zwei Drittel Gros Manseng verschnitten werden, bieten eine erschwinglichere Alternative zum Sortiment des Weinguts, ohne dabei auch nur ein Quäntchen Energie oder Mineralität einzubüßen.
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