Der Jahrgang 1972 bleibt in Bourgogne ein atypisches und lange unterschätztes Jahr, geboren aus einer späten Saison, die Trauben mit sehr hoher Säure hervorbrachte. Die Rotweine (Pinot Noir) tragen diese Prägung: fest, gradlinig und in ihrer Jugend herb, anfangs bisweilen als zu säurebetont beurteilt, haben sie die Prognosen jedoch übertroffen, indem sie bemerkenswert gereift sind – ihre Frische verleiht ihnen eine unerwartete Langlebigkeit, mit schönen Erfolgen in der Côte de Nuits (Vosne-Romanée, Gevrey-Chambertin). Die Weißweine (Chardonnay), zurückhaltender, zeigen sich lebhaft und klassisch, von Meursault bis Chablis. Das Lagerpotenzial der besten Rotweine hat sich als erstaunlich erwiesen. Heute bieten die schönsten Cuvées eine harmonische Reife und haben ihre anfängliche Säure integriert. Zwischen dem großen 1971 und dem üppigen 1973 bleibt der 1972 ein singulärer Rotweinjahrgand, der inzwischen rehabilitiert wurde.