Vor 1950 entstanden, gehören diese Flaschen einer anderen Ära des Bordelais an – jener Zeit vor der allgemeinen Einführung der Abfüllung auf dem Château (die für klassifizierte Güter ab dem Jahrgang 1924 auf Initiative von Baron Philippe de Rothschild zur Pflicht wurde), als der Weinhandel den Großteil der Weine ausbaute und vermarktete. Ihre Seltenheit macht sie zu Zeugen der Geschichte, und ihre Beurteilung beruht auf einer grundlegenden Voraussetzung: dem Zustand und der Herkunft der Flasche, die in einem solchen Alter absolut ausschlaggebend sind. Die Epoche brachte legendäre Jahrgänge hervor, allen voran das Nachkriegstrio aus dem konzentrierten 1945 (entstanden nach einem Frühjahresfrost, der die Ernte stark dezimierte), dem opulenten und sonnigen 1947 (Höhepunkt der rive droite mit dem ikonischen Cheval Blanc) und dem klassischen 1949. Darüber hinaus glänzen der tannische und strukturierte 1928, der opulente 1929, der große und warme 1921 (legendär in Sauternes, mit Yquem) sowie die weiter zurückliegenden Mythen von 1900 oder 1870. Die Rotweine des Médoc (Cabernet) und der rive droite (Merlot) stehen neben den Süßweinen des Sauternes, die für ihre außergewöhnliche Langlebigkeit bekannt sind. Wenn die Lagerung tadellos war, bieten die schönsten Cuvées noch immer eine bewegende Reife – doch jede Flasche bleibt ein Unikat, das für sich selbst beurteilt werden muss.