Die besten Hermitage-Weine: unsere Auswahl großer Gewächse

von Manon b.
 

Die besten Hermitage-Weine: unsere Auswahl großer Gewächse

Am linken Rhôneufer, oberhalb von Tain-l’Hermitage, bringt ein 136 Hektar großer Granithügel einen der begehrtesten und angesehensten Weine der Welt hervor. Die Appellation Hermitage, auch Ermitage genannt, ist ein faszinierender geografischer Sonderfall: winzig in der Fläche, riesig im Renommee. Die dort erzeugten Syrah-Weine zählen zu den langlebigsten Rotweinen Frankreichs und können über mehrere Jahrzehnte reifen, ohne nachzulassen.

Dieser Ratgeber hilft Ihnen, sich in der Welt des Hermitage zurechtzufinden: seine Terroirs zu verstehen, die wichtigen Weingüter zu erkennen, die richtigen Jahrgänge auszuwählen und zu wissen, in welche Cuvées sich eine Investition lohnt – ob Sie die Flasche heute Abend öffnen oder weitere zehn Jahre lagern möchten.

 

 

 

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Hermitage ist eine der kleinsten und renommiertesten AOC-Appellationen Frankreichs, mit nur 136 Hektar Rebfläche auf dem Hügel von Tain.
  • Bei den Rotweinen dominiert die Syrah: strukturiert, würzig und außergewöhnlich langlebig, mit einem Reifepotenzial von über 30 Jahren.
  • Große Häuser wie Chapoutier, Jaboulet und Chave erzeugen die maßgeblichen Cuvées, doch auch kleine, wenig bekannte Weingüter verdienen Aufmerksamkeit.
  • Die Jahrgänge 2010, 2015 und 2019 gelten bei den Rotweinen als die gelungensten der jüngeren Vergangenheit.
  • Weißer Hermitage (Marsanne, Roussanne) wird oft unterschätzt: Er kann mit den größten lagerfähigen Weißweinen der Welt mithalten.

 

Die Appellation Hermitage: ein Hügel, ein Mythos

Seit 1937 als AOC klassifiziert, zählt Hermitage zu den ältesten und kleinsten französischen Appellationen. Sie erstreckt sich über einen einzigen, genau nach Süden ausgerichteten Hügel oberhalb der Stadt Tain-l’Hermitage im Département Drôme, wenige Kilometer nördlich von Valence.

Ein außergewöhnliches Terroir

Der Hermitage-Hügel ist in mehrere Einzellagen mit deutlich unterschiedlichen Eigenschaften unterteilt:

•        Le Méal: gerundete Kiesel auf kalk- und silikathaltigen Böden, kraftvolle und opulente Weine.

•        Les Bessards: reiner Granit, dunkle Farbe, Weine mit prägnanter Mineralität und außergewöhnlicher Langlebigkeit.

•        Les Rocoules: ton- und lösshaltige Böden im Osten, bevorzugtes Terroir für große Weißweine.

•        Greffieux, Murets, Dionnières: sich ergänzende Einzellagen, die zur Komplexität der Verschnitte beitragen.

 

Gut zu wissen: "La Chapelle" ist keine Einzellage, sondern der Name der Kapelle Saint-Christophe auf der Hügelkuppe und, davon abgeleitet, der Name von Jaboulets legendärer Cuvée, die ihrerseits aus einem Verschnitt mehrerer Lagen stammt.

Die meisten großen Cuvées sind Verschnitte aus mehreren dieser Parzellen. Jedes Weingut wählt dabei die Kombination, die seinen Stil am besten zum Ausdruck bringt.

Die zugelassenen Rebsorten

Bei den Rotweinen dominiert die Syrah: Die Produktionsvorschriften verlangen mindestens 85 % Syrah und erlauben bis zu 15 % weiße Rebsorten, Marsanne und/oder Roussanne, um die Textur zu verfeinern – eine heute seltene Praxis. Nicht zu verwechseln mit der benachbarten Côte-Rôtie, wo Viognier mit einem Anteil von bis zu 20 % mit Syrah kombiniert werden darf. Die Syrah bringt hier Weine von unvergleichlicher Konzentration und Tiefe hervor: würzig und floral (Veilchen), mit Noten dunkler Früchte und einer Tanninstruktur, die sich nach 10 bis 15 Jahren Lagerung voll entfaltet.

Bei den Weißweinen dominiert Marsanne, oft ergänzt durch Roussanne. Diese häufig unterschätzten, lagerfähigen Weißweine entwickeln mit zunehmendem Alter Aromen von Bienenwachs, Akazie und Trockenfrüchten sowie eine ölige Textur, die sie einzigartig macht.

 

Die wichtigsten Weingüter und Häuser des Hermitage

Im Hermitage dominieren einige große Handelshäuser und eine kleine Zahl von Weingütern mit eigenen Rebflächen. Hier sind die unumstrittenen Referenzen, deren Weine in jedem Jahrgang begehrt sind.

 

Weingut / Haus

Charakteristische Cuvée

Besondere Stärke

M. Chapoutier

Le Méal / L’Ermite

Konsequente Biodynamie, außergewöhnlicher Lagenwein

Paul Jaboulet Aîné

La Chapelle

Historische Referenz, legendäre Jahrgänge (1961, 1990)

Jean-Louis Chave

Roter Hermitage (Massenselektion)

Verschnitt aus verschiedenen Parzellen, eleganter Stil und großes Reifepotenzial

Cave de Tain

Hermitage Nobles Rives

Ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis, genossenschaftliche Erzeugung

Ferraton Père & Fils

Le Méal

Historische Parzelle, kraftvoller und konzentrierter Stil

Delas Frères

Les Bessards

Ausgeprägte Mineralität, behutsamer Fassausbau

 

M. Chapoutier: Vorreiter der Lagenweine

Michel Chapoutier revolutionierte in den 1990er-Jahren den Umgang mit Hermitage, indem er auf Biodynamie umstellte und außergewöhnliche Lagen-Cuvées entwickelte. Seine Weine L’Ermite, Le Méal und Le Pavillon gehören heute zu den begehrtesten Sammlerweinen Frankreichs. Die Cuvée L’Ermite stammt aus einer winzigen Parzelle mit alten Reben oben auf dem Hügel und erreicht ein außergewöhnliches Maß an Konzentration und aromatischer Reinheit.

Paul Jaboulet Aîné: La Chapelle, eine Ikone von Weltrang

Jaboulets La Chapelle ist vermutlich der weltweit bekannteste Hermitage-Wein. Der Jahrgang 1961 gilt als unumstrittene Referenz des internationalen Weinbaus und wurde von Robert Parker mit 100/100 Punkten bewertet. Seit der Übernahme durch die Familie Frey im Jahr 2006 wurde die Qualität durch verstärkte Aufmerksamkeit für den Weinbau und umfangreiche Investitionen in den Weinkeller gesteigert.

Jean-Louis Chave: Eleganz in Reinform

Domaine Chave ist vielleicht das am wenigsten bekannte Haus auf dieser Liste: begrenzte Produktion, wenig Öffentlichkeitsarbeit, lange Wartelisten. Kenner sind sich jedoch einig, dass die Hermitage-Weine von Chave zu den komplexesten und langlebigsten Ausdrucksformen der Syrah gehören. Die Massenselektion alter Reben, der Verschnitt zahlreicher Parzellen und der geduldige Ausbau ergeben Weine von einer selten erreichten Stimmigkeit und Länge am Gaumen.

Cave de Tain: ein Einstiegswein, der keiner ist

Die Genossenschaft Cave de Tain vinifiziert einen bedeutenden Teil der Weine dieser Appellation. Ihre Cuvée Hermitage Nobles Rives bietet einen erschwinglichen Einstieg in die Appellation, mit einer Typizität und Qualität, die ihre Preisklasse deutlich übertrifft. Für viele Weinliebhaber ist sie der Ausgangspunkt, bevor sie die Lagen-Cuvées der großen Häuser entdecken.

 

Welche Jahrgänge sollten Sie bei Hermitage-Weinen bevorzugen?

Hermitage ist ein Wein zum Lagern. Den richtigen Jahrgang zu kaufen und die Flasche zum richtigen Zeitpunkt zu öffnen, sind zwei Entscheidungen, die das Geschmackserlebnis maßgeblich bestimmen.

Herausragende jüngere Jahrgänge

•        2019: sonnenverwöhnter Jahrgang, konzentrierte Weine, seidige Tannine, außergewöhnliches Lagerpotenzial. Nicht verpassen.

•        2015: Kraft und Opulenz. Weine, die schon jung beeindrucken, ihr volles Potenzial aber noch nicht entfaltet haben.

•        2010: wird oft als einer der besten Jahrgänge des Jahrzehnts bezeichnet. Perfekte Balance zwischen Frische und Konzentration. Die Weine beginnen sich zu öffnen.

•        2009: warmer Jahrgang mit reichen, großzügigen Weinen. Einige Cuvées sind trinkreif, andere entwickeln sich noch.

•        2005: kräftige Tannine, enormes Lagerpotenzial. Die kraftvollsten Cuvées sind noch verschlossen. Warten lohnt sich.

Historische Referenzjahrgänge

•        1990: ein legendärer Jahrgang für das gesamte Rhônetal. Jaboulets La Chapelle erreicht hier seinen Höhepunkt.

•        1978: Syrah-Weine von außergewöhnlicher aromatischer Komplexität. Auf dem Sekundärmarkt erhältliche Flaschen erzielen Spitzenpreise.

•        1961: Für Liebhaber historischer Weine ist La Chapelle 1961 eine der legendärsten Flaschen des 20. Jahrhunderts.

Jahrgänge, bei denen Vorsicht geboten ist

Die Jahre 2002 und 2008 brachten aufgrund schwieriger Wetterbedingungen weniger gleichmäßige Weine hervor. Bei den besten Erzeugern können sie schöne Überraschungen bereithalten, erfordern aber eine sorgfältige Auswahl.

 

Roter oder weißer Hermitage: Welchen sollten Sie wählen?

Der Rotwein: Syrah in ihrer ganzen Pracht

Roter Hermitage gehört zum Größten, was die Syrah hervorbringen kann. Jung zeigt er sich oft streng, beinahe unzugänglich, mit straffen Tanninen und einer Kraft, die beeindruckt, aber nicht sofort verführt. Nach mindestens zehn Jahren im Keller offenbart er eine unvergleichlich reiche Aromenpalette: Veilchen, Lakritz, schwarze Oliven, Leder, Unterholz und Trüffel. Nach zwanzig Jahren erreichen manche Cuvées eine Harmonie und Tiefe, mit der nur wenige Weine der Welt mithalten können.

Ein roter Hermitage unter acht Jahren ist selten auf seinem Höhepunkt. Geduld ist keine Option, sondern ein Muss.

 

Der Weißwein: der große Unterschätzte der Appellation

Weißer Hermitage macht etwa ein Viertel der Produktion aus (knapp 27 % der Rebfläche sind mit weißen Sorten bepflanzt). Er wird hauptsächlich aus Marsanne gekeltert und durchläuft zwischen dem dritten und achten Jahr eine schwierige Phase: Er verschließt sich und verliert seine jugendliche Frische, ohne schon sein reifes Bukett entwickelt zu haben. Doch ab einem Alter von 10–12 Jahren entfaltet er sich: Bienenwachs, geröstete Haselnüsse, getrocknete weiße Blüten, eine opulente Textur und ein schier endloser Abgang. Chapoutier, Chave und Jaboulet erzeugen davon Weine, die Maßstäbe setzen.

 

Hermitage und Crozes-Hermitage: Was ist der Unterschied?

Die Verwechslung kommt häufig vor. Hermitage ist eine AOC-Appellation, die nur den Granithügel selbst umfasst: 136 Hektar, eine sehr begrenzte Produktion und hohe Preise. Crozes-Hermitage erstreckt sich über elf umliegende Gemeinden mit wesentlich vielfältigeren Terroirs und rund 1.700 Hektar Rebfläche. Damit ist es die größte Appellation der nördlichen Rhône.  Die Weine sind dort im Allgemeinen weniger konzentriert, jung zugänglicher und deutlich günstiger.

Als Einstieg in die Syrah von der nördlichen Rhône ist Crozes-Hermitage ideal. Wer die Quintessenz der Appellation sucht, findet in Hermitage einen Wein ohnegleichen. Beide sollten vor dem Servieren dekantiert werden, doch ihr Lagerpotenzial unterscheidet sich deutlich.

 

Speisen und Wein: Was passt zu Hermitage?

Roter Hermitage

Seine Struktur und Komplexität verlangen nach charaktervollen Speisen:

•        Geschmortes oder gebratenes rotes Fleisch, Lammkeule, Rinderkotelett, Bœuf bourguignon

•        Haarwild, Reh, Wildschwein, Hase à la royale

•        Gereifte Hartkäse, 24 Monate alter Comté, Beaufort d’alpage

•        Schwarzer Trüffel, die vollendete Begleitung zu einem mindestens 15 Jahre alten Hermitage

Weißer Hermitage

Ein lagerfähiger Weißwein dieses Kalibers verträgt kräftige Gerichte:

•        Fisch in gehaltvoller Sauce, Jakobsmuscheln in Sahnesauce, Hummer auf amerikanische Art

•        Geflügel in Sauce, Bresse-Huhn in Sahnesauce, Perlhuhn mit Morcheln

•        Kräftige Weichkäse, Époisses, Munster, Livarot

•        Asiatische Küche (eine ungewöhnliche, aber gelungene Kombination): Die füllige Textur der Marsanne harmoniert mit Umami-Noten

 

 

Häufige Fragen zu Hermitage-Weinen

Ab welchem Preis ist ein Hermitage erhältlich?

Die Preise für Hermitage-Weine variieren je nach Erzeuger und Jahrgang erheblich. Einstiegsweine kosten etwa 30–40 € (Cave de Tain). Die großen Cuvées der Häuser Chapoutier, Jaboulet oder Chave liegen zwischen 80 € und 300 €. Außergewöhnliche Lagenweine (L’Ermite, La Chapelle aus großen Jahrgängen) kosten häufig mehr als 400–500 €.

Wie lange lässt sich ein roter Hermitage lagern?

Die besten roten Hermitage-Weine können problemlos 30 bis 50 Jahre reifen. Das optimale Trinkfenster liegt bei Prestige-Cuvées in der Regel zwischen 10 und 25 Jahren. Bei Einstiegs-Cuvées genügen 5 bis 10 Jahre.

Sollte man roten Hermitage dekantieren?

Ja, grundsätzlich. Ein roter Hermitage unter 15 Jahren profitiert davon, vor dem Servieren 1 bis 2 Stunden dekantiert zu werden. Bei Weinen über 20 Jahren genügt kurzes Dekantieren (20–30 Minuten), wobei Sie wie üblich darauf achten sollten, das Depot abzutrennen.

Lässt sich weißer Hermitage ebenso gut lagern wie roter?

Ja, und das überrascht viele Weinliebhaber. Ein großer weißer Hermitage von Chapoutier oder Chave lässt sich 20 bis 30 Jahre lagern. Marsanne ist eine von Natur aus reduktiv veranlagte Rebsorte, die den Wein vor Oxidation schützt. Entscheidend ist, die Verschlussphase (3–8 Jahre) abzuwarten und ihn sich anschließend voll entfalten zu lassen.

Was ist der Unterschied zwischen Hermitage und Saint-Joseph?

Saint-Joseph ist eine benachbarte, wesentlich größere Appellation (über 1.200 Hektar), in der ebenfalls Weine aus Syrah sowie Marsanne und Roussanne erzeugt werden. Die Weine sind zugänglicher, weniger konzentriert und günstiger. Sie bieten einen schönen Einstieg in die nördliche Rhône, erreichen aber nicht die Tiefe und Langlebigkeit des Hermitage.

 

 

 

 

MAN SPRICHT ÜBER UNS

Entdecken Sie 5 gute Gründe, Ihre Weine bei Vins et Millésimes zu kaufen

SCHNELLE LIEFERUNG

Bestellung in 48/72 Std. vorbereitet und anschließend in Styroporverpackung versandt

KOSTENLOSER VERSAND

Ab 600 € Einkauf in Frankreich. Ab 1.500 € für viele europäische Länder

KOSTENLOSE ABHOLUNG

Holen Sie Ihre Bestellung in unserem Lager in La Garenne Colombes (92) ab